Hilfe und Gefahren durch Selbsthilfeforen

Mir sind ein paar Dinge aufgefallen, die passieren (können), wenn Betroffene unter sich sind, um sich auszutauschen.
Ich selbst kenne nur die Selbsthilfeforen.
Vielleicht gilt das ähnlich auch für Selbsthilfegruppen, Kliniken, Freundeskreise, die nur aus Betroffenen bestehen, etc., aber da kann ich nur mutmaßen.

Viele Betroffene melden sich in so ein Forum an, und werden dort aktiv.
Ich bin der Meinung, dass die Selbsthilfeforen eine sehr große Hilfe und Unterstützung sein können, gleichzeitig aber auch große Gefahren mit sich bringen.
Über die Gefahren wird kaum gesprochen - daher will ich genau die hier mal ansprechen.
Das sind keine Argumente gegen Selbsthilfeforen, ich bin ja selbst in einem sehr aktiv (bei Insel der Hoffnung von Rose), und finde die Vorteile überwiegen bei weitem die Nachteile bzw. Gefahren. Sondern ich möchte nur Dinge ansprechen, die man vielleicht bedenken sollte und vor denen man sich hüten sollte, wenn man in einem Forum schreibt.

Leute, die nie in Selbsthilfeforen unterwegs waren, werden jetzt vielleicht den Kopf schütteln, was man sich für Probleme erschaffen kann.
Auch die, die viel in solchen Foren unterwegs sind, werden mir vielleicht widersprechen und sagen, das ist bei ihnen im Forum oder bei ihnen persönlich auf keinen Fall so.
Es kann gut sein, dass ich mich irre, aber ich behaupte, die wenigsten sind davor gefeit. Jeder muss da vorsichtig sein.
Aber genug gelabert...... worum gehts es mir?

Symptome übernehmen / verschlimmern


In Foren wird über Probleme und Symptome gesprochen, wie Schlagfstörungen, SVV, unangenehme Gefühle, Ängste, Dissoziationen und so weiter.
Das ist einerseits sehr gut, um zu merken, dass man nicht allein ist, und dass andere das auch kennen, und Tipps wie es einem besser gehen kann auszutauschen.
Aber es kann auch nach hinten losgehen.

Erstens kann es passieren, dass man bei sich anfängt nach Symptomen zu "suchen", wenn die anderen Mitglieder sie haben.
Ich nehme mals als Beispiel Dissoziationen (gilt aber für vieles). Viele schreiben von Dissoziationen. Man überlegt sich also, ob man nicht auch welche hat? Ob das, was man manchmal hat, wenn man verträumt / neben der Spur / müde / angespannt ist nicht auch Dissoziationen sind? Ob man sich erinnert, was man getan hat? Ob man nicht den Eindruck hatte neben seinem Körper zu stehen? Oder ihn vielleicht nicht gespürt hat? und so weiter.
Eigentlich war man wirklich nur neben der Spur und in Gedanken versunken. Aber vielleicht kommt man trotzdem zu dem Schluss, dass man auch dissoziiert.
Also man deutet alltägliche Probleme als Symptome, und gerade dadurch werden sie erst richtig zur Belastung und zum Problem. Davor war es eine Verhaltensweise, die einen vielleicht gestört hat, vielleicht auch nicht. Jetzt plötzlich ist es eine Folge vom MB, der man fast machtlos ausgesetzt ist.
Eben indem man sich in diesen Gedanken "ich dissoziiere auch" hineinsteigert, werden die vermeintlichen "Dissoziationen" schlimmer. Ich habe von einer gelesen, die sich auf die Weise (+ mit "Hilfe" vom Therapeuten) in Dissoziationen und Amnesien hineingesteigert hat.
Natürlich kann es auch passieren, dass man tatsächlich dissoziiert und es einem davor nur nicht klar war. Ich will hier nicht Leute, die auf jeden Fall mal dissoziiert haben, und es auch wissen, verunsichern. Aber man sollte ehrlich nachdenken, und nicht freudig in das "neue Symptom" hineinpreschen.

Zweitens kann es passieren, dass man sich Probleme "abguckt".
Das ist ähnlich wie das Suchen..... nur dass beim Suchen normale Dinge zu Symptomen umgedeutet werden, beim Abgucken aber tatsächlich etwas nachgemacht wird.
Der Klassiker ist da das SVV. Vielleicht wäre man von alleine nicht auf die Idee gekommen sich zu schneiden. Aber wenn man es im Forum liest klingt es nach einer guten Idee. Es beruhigt und entspannt, und ist auch noch spektakulär und ist eine Dokumentation des eigenen Leidens. Feine Sache. Also probiert man es. Siehe da, es gefällt. Vielleicht gefällt es auch nicht, aber irgendwie gibt es einem doch etwas. Also macht man weiter. Bis man irgendwann auch süchtig ist, und das SVV nicht nur Ausprobieren, sondern ein echtes Problem wurde.
Bestimmte Ängste, Verhaltensweisen etc kann man sich gut abgucken.
Und im Nachhinein ist es sehr schwer das zu trennen: Was kam so, was wurde abgeguckt? Denn selbst, wenn es "nur" abgeguckt war, das Symptom bleibt genauso an einem kleben, und die Narben beim SVV sind nicht weniger sichtbar.

Drittens können sich schon bestehende Symptome verschlimmern.
Vielleicht hat man den Eindruck das eigene Problem sei nicht ernst zu nehmen, weil es bei den anderen so viel schlimmer ist. Oder aber man denkt sich, man kann sich beruhigt zurücklehnen, weil es bei den anderen eh so viel schlimmer ist, und passt daher weniger auf. Vielleicht liest man einfach die Berichte anderer, und überlegt sich, ob es bei einem selbst nicht auch schon dieses schlimmere Ausmaß angenommen hat.
Und irgendwie - sei es unbewusst, oder so halb-bewusst - verschlimmert man das eigene Symptom. Man rutscht mehr und mehr in das SVV rein, oder die Essstörung, oder seine Ängste, oder oder.
In manchen Communities herrscht da manchmal fast eine Art Wettbewerb: Wer schneidet tiefer? Wer hungert mehr? Wer hat die krassesten Albträume? Die übelsten Flash-Backs?.... etc. Das ist sehr krank, und sehr destruktiv. In guten Foren kommt so etwas auch nicht vor, oder wenn dann nur ganz ganz leise zwischen den Zeilen, wenn überhaupt. (denn es ist IMO Aufgabe von Admins und Moderatoren darauf zu achten). Aber man wird immer wieder auf Gruppen stoßen, in denen so eine Stimmung herrscht, oder Tendenzen davon.

Bestimmte (berechtigte) Zweifel werden "unterdrückt"


Es gibt viele typischen Zweifel. Die Zweifel ob die Erinnerungen wahr sind. Die Zweifel ob man eine bestimmte Folgeerkrankung wirklich hat. Die Zweifel, ob man sich hineinsteigert oder eine "Berechtigung" für das eine oder andere hat.

Diese Zweifel sind ernst zu nehmen.
Leider werden sie in Selbsthilfegruppen oft, aus Unwissenheit oder Fürsorglichkeit "weggewischt".
Dann kommen Antworten wie "glaub mir, so etwas denkt sich keiner aus." "du bist ja nicht freiwillig so krank und hast es dir ja nicht ausgesucht" "mach dein Leiden nicht so klein" "wenn du es so empfindest, dann ist es auch schlimm"
- anstatt zu fragen: Warum zweifelst du? Was empfindest du? Warum denkst du das? Wie kommst du drauf? etc

Es ist eine schwierige Sache.
Denn einerseits braucht man, wenn man unsicher ist, und sich selbst fertig macht, Aufmunterung, Bestätigung, und ein bisschen virtuelles "Gekuschel". Selten werde Zweifel in Reinform geäußert.... oft ist es mit unangenehmen Emotionen, sich selbst fertig machen und beschimpfen etc verbunden. So dass man als Leser erst mal den anderen trösten will, und nicht noch mehr in die Zweifel schubsen.
Andererseits, gehen Zweifel meist durch noch so viel Bestätigung und Gekuschel eben nicht weg.
Man kann sie beiseite drücken, ignorieren, zum Schluss kommen, sie seien normal und man sollte einfach über sie hinweg sehen. Zweifel haben durchaus ihre Berechtigung.

Ich frage mich manchmal, wie viele Opfer von falschen Erinnerungen, wie viele Leute, die von Therapeuten oder anderen auf falsche Pfade gebracht wurden, wie viele Leute mit Fehldiagnosen erste kleine Zweifel in Selbsthilfeforen geäußert haben. Dann aber nicht unterstützt wurden weiter zu hinterfragen, sondern mit den üblichen Sätzen besänftigt. "ach was, so etwas denkt sich keiner aus" etc.

Ich denke natürlich nicht, dass so etwas aus Bosheit geschieht.
-Es ist so üblich. Man übernimmt als Forenneuling ja oft die allgemeingeltenden Normen in einem Forum. Wenn es Norm ist auf Zweifler-Beiträgen etwas besänftigendes zu antworten, wird man das auch bald so tun. Irgendwie denkt man, das ist die einzig richtig Reaktion. Alles andere sei schlecht und würde dem anderen schaden, oder noch mehr in Verwirrung stürzen.
-Man will auch nett sein. Man merkt, der andere leidet. Man merkt, er leidet wegen den Zweifeln. Also versucht man ihm die Zweifel zu nehmen. Eigentlich würde es ihm gut tun, den Zweifeln auf den Grund zu gehen, und nicht sie wegzuschieben, aber daran denkt man nicht.
-Man ist falsch informiert. Zum Beispiel denken viele in MB-Foren, dass es so etwas wie falsche Erinnerungen nicht gibt. Ich habe auch daran gezweifelt, bis ich auf ein FMS-Forum gestoßen wird, von einer Frau, die "dank" ihrer Therapien durch verschiedene Höllen gegangen ist, und später mühevoll ihre ganzen falschen Erinnerungen aufarbeiten musste. Es gibt falsche Erinnerungen, das ist nun wirklich mehrfach erwiesen. Trotzdem sagen alle, so etwas gibt es nicht, also denkt man, wenn das alle so sagen, wird es schon stimmen.

Sekundärer Krankheitsgewinn


Als Sekundärer Krankheitsgewinn bezeichnet man all die Vorteile, die man als Kranker durch seine Krankheit bekommt: die Möglichkeit im Bett zu bleiben, mit seinem Gipsbein durch die Gegend kutschiert werden, das Recht bestimmte Aufgaben nicht zu erledigen, Lohnfortzahlen im Krankheitsfall, Rente, mehr Zuwendung, mehr Aufmerksamkeit, Bewunderung....

Wenn man krank ist, oder blöde Symptome hat, hat man erst mal nur Probleme. Man muss sich abschinden, damit es nicht auffällt. Man versucht das gleiche zu leisten wie Gesunde, aber es fällt einem schwerer. Man darf nie darüber reden, vor allem über psychische Dinge, weil die in der Gesellschaft verpönt sind. Und immer schön fröhlich gucken, auch wenn einem zum heulen zumute ist. Und dann die ganze Qual an sich: die Schlafstörungen, die Narben am Arm, die Gedächnisausfälle, die Antrieblosigkeit, die Panikattacken..... überhaupt nicht schön.

In Selbsthilfeforen bekommt man oft zum ersten mal einen sekundären Krankheitsgewinn. Man wird getröstet, beachtet, geknuddelt. Man bekommt je mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit, desto kränker man ist.

Einerseits ist es schön, endlich zeigen zu können, wie es einem geht. Nicht vertuschen müssen. Gleichgesinnte treffen, die einen auch mal aufpäppeln, wenn man am Boden liegt.

Andererseits lernt man durch Probleme Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Oft bekommt der am meisten Zuwendung und Antworten, der am lautesten jammert. Wer den Eindruck macht konstruktiv und mit einer Spur Optimismus an seine Probleme heranzugehen, wird demensprechend auch weniger getröstet, weniger unterstützt, und nicht aufgepäppelt.
So lernt man das jammern. Man lernt seine Krankheit zu nutzen. Man lernt sich mitzuteilen, wenn man wieder geschnitten hat. Man lernt das "richtige" zu schreiben, wenn man Aufmerksamkeit will. Man lernt "für andere" krank zu sein - man lernt, dass gewisse Symptome nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile haben. Zum Beispiel SVV. Immerhin ist das ein Zeichen für andere, wie dreckig es einem geht.
Wenn aber Symptome auch einen Nutzen für einen darstellen..... ists umso schwerer sie wieder loszuwerden. Wenn man in der Gruppe umso mehr beachtet wird, je schlechtes es einem geht, wird man vielleicht öfter mal nicht gegen das Problem ankämpfen, sondern es "zulassen", um danach darüber klagen zu können, und so die Aufmunterung zu bekommen, die man so bitter nötig hat.

Viele werden sagen - so ein Blödsinn, ich leide doch unter meinen Symptomen, warum sollte ich sie nur für die Gruppe und ein bisschen Zuwendung verschlimmern.
Aber denkt man darüber nach...... gibt es einem nicht total viel beachtet, und ernst genommen zu werden? Habt ihr nicht auch manchmal den Eindruck, man würde euch in der Selbsthilfegruppe ohne dieses oder jenes Symptom nicht ernst nehmen? Habt ihr nicht den Eindruck, man pofitiert in Selbsthilfeforen, wenn man besonders krasse Lebensgeschichten oder schlimme Symptome schlildern kann? Ist es nicht schön zu wissen, dass man, wenn man Zuwendung wieder sehr nötig hat, sie durch Mitteilen von Problemen bekommen kann?

Ich bin ja der Meinung, ein gutes Forum erkennt man auch daran, dass Erfolgsmeldungen und "ich habe was neues geschafft" MEHR beachtet werden als Jammer-Beiträge, wie schlecht es einem geht.
Und dass die Leute nicht NUR kuscheln, sondern auch Tipps geben und nachfragen.

Falsche/einseitige Informationen werden verbreitet


Beispiele:

Wie schon gehabt: Vorsichtiger Umgang mit Missbrauchsgeschichten: "keiner denkt sich das aus" / "Leuten, die erzählen, sie sind missbraucht worden muss man IMMER glauben" / "falsche Erinnerungen gibt es nicht". Falsch. Kann man hier eigentlich genug unter dem Menüpunkt "falsche Erinnerungen" nachlesen. Und, ja, es gibt Fakes. Es gibt Leute, die sich in Foren anmelden, und einen anlügen.

Verdrängung: Sobald ein Mensch sagt, er erinnert sich nicht an etwas gibts mehrere, die mit "Verdrängung" ankommen. Das ist zwar nicht unbedingt falsch, aber man sollte da einfach vorsichtig sein, finde ich. Denn es wird suggeriert, dass Erinnerungslücken in der Kindheit, Alpträume, bestimmte Abneigungen auf jeden Fall deutlich auf Missbrauch oder sonstige Traumata hinweisen. Klar kann da was sein - aber genauso gut kann da auch nichts sein. Man sollte das offen lassen, und nicht die Leute in eine Richtung beeinflussen. Wenn man ein entsprechendes Bild mal, heisst es auch nicht, dass das, was man gemalt hat, tatsächlich passiert ist. (ausser bei Kindern, da muss man natürlich schon nachforschen. Damit meine ich aber nicht die "Innenkinder" der Leute mit MPS, die ja meist auf das Wissen der "Erwachsenen" zurückgreifen, z.B. wie man Forenbeiträge abschickt)

Dissoziation und Multiple Persönlichkeiten:
Ich habe in der Klinik gelernt, dass Dissoziationen mit Filmrissen nichts Ungewöhnliches sind. Viele Krankheiten, Psychosen, auch Persönlichkeitsstörungen wie Borderline, und auch Medikamentennebenwirkungen (z.B. von Benzos) können zu Dissoziationen mit Filmrissen führen. Auch dass man während der Zeit irgendwo hinläuft, oder irgendwelche kindlichen Bilder malt ist nichts unerklärliches oder unerhöhrtes. Das bringt dissoziieren manchmal mit sich. Diese Dissoziationen sind sehr quälend und schlimm.
Aber nun zu der Fehlinfo, die durch Selbsthilfeseiten verbreitet wird: "Wenn einem so etwas passiert, ist man vermutlich multipel.".
Nein! Nur weil einem so etwas passiert ist man nicht multipel!
Man ist auch nicht gleich multipel, wenn man den Eindruck hat mal hier und mal da völlig unterschiedliche Persönlichkeiten zu haben. Immerhin ist diese Identitätsstörung - also dass man nicht weiss, wer man ist, dass Stimmung, Selbstbild, Ziele, Vorstellungen sehr stark und sehr schnell schwanken ja ein Merkmal der Borderline Persönlichkeitsstörung. Wenn man also den Eindruck hat "man besteht aus verschiedenen Anteilen, die sich unterschiedlich verhalten", ist man nicht gleich multipel.
Man ist auch nicht gleich multipel, wenn man in den Spiegel schaut und sich nicht erkennt. Oder wenn man eindeutig fremde Stimmen im Kopf hört von anderen Leuten. Ersteres ist ein sehr unspezifisches Symptom, kann bei allem möglichen vorkommen (auch bei Müdigkeit und Co). Zweiteres geht eher in die Richtung Psychose, wenn die Stimmen wirklich als fremd empfunden werden. Hab aber auch mal eine Borderlinerin erlebt, die das hatte - so psychotische Dinge können bei
schweren Borderlinestörungen auch auftreten.

Triggergefahr


Das ist einentlich so Standard-Wissen. Überall steht dann "trigger" drüber.

Aber was bedeutet das eigentlich?
Ich dachte früher immer *trigger* ist nur wichtig für die Leute mit PTBS, bei denen dann durch so Trigger Flashbacks ausgelöst werden. Keine PTBS -> keine Trigger.

Seh ich inzwischen anders.
Triggern bedeutet auslösen. Und nicht nur Flash-Backs können ausgelöst werden, sondern Scham, Angst, Selbsthass, SVV-Druck....

Du liest Lebengeschichten von Betroffenen und schämst dich plötzlich so sehr dich auch "Betroffene" zu nennen, weil es bei ihnen so viel schlimmer war, und du willst dich nun fertig machen und bestrafen weil du es wagst, dich mit ihnen zu vergleichen?
Du liest, wie andere ihre Probleme in die Hand nehmen und fühlst dich wie ein totaler Versager, weil du das so nicht machst, du denkst du bist das allerletzte und hast es gar nicht verdient hier zu existieren?
Du liest, wie jemand sagt "meine Schwester war immer der Liebling" oder "andere bekommen alles in den Arsch geschoben aber wir waren so arm" oder oder oder.... und das erinnert dich an Dinge, die dir auch gesagt wurden wie: "Du warst ja immer der Liebling!" oder "Andere Kinder haben kaum zu essen, es ist deine Pflicht dankbar zu sein!" oder "Weil du so privilegiert geboren bist, ist nichts was du tust irgendwie eine Leistung, sondern nur selbstverständlich und in die Wiege gelegt" oder oder oder.... und denkst dir, sie haben so recht, so Leute wie ich haben es so endlos gut, ich hab kein Recht mich hier zu beklagen, ich muss mich bestrafen
Du liest eine Lebensgeschichte von jemandem, und obwohl du keinen FlashBack im Sinne von "Film vor Augen" hast, musst du deswegen an deine eigenen Vergangenheit denken und die Angst, Scham etc kommt dir wieder hoch
..... oder
..... oder
Das alles, sind meiner Meinung nach auch Trigger!!

Und man muss da sehr vorsichtig sein.
Sei lieber ein mal zu viel eine "Memme" und les einen Beitrag nicht zu Ende, als dass du dich gefährdest.
Lass die Vernunft über die Neugier siegen.
Mach lieber zu langsam als zu schnell.

Emotionale Verwicklungen


Ist ein unglücklicher Titel - aber mir fällt kein besserer ein.

In einem Selbsthilfeforum treffen viele Leute aufeinander, die schon angedaut sind
- bei denen die Selbstzweifel, Ängste, das Misstrauen etc ganz ganz ganz nah unter der Oberfläche lauern -
eben WEIL sie in so einem Forum schreiben, über die Dinge in ihrem Leben, die so einen Schmerz bereitet haben.

Da ist man besonders empfindlich - empflicher als sonst im Leben.
Da werden also viele Leute sein, die empfindlich sind gegenüber Abweisung, Nicht-Beachtet werden, Kritik, Vergleichen.... etc

Da sind Missverständnisse vorprogrammiert.

Antwortet keiner auf meinen Beitrag bedeutet es, dass mich alle verachten, mich nicht ernst nehmen, mich ablehnen und mich nicht mögen.
Schreibt einer unter einer Erfahrung von mir, dass er das auch kennt und zwar so und so, will er mir damit sagen, dass es bei ihm viel schlimmer ist und meins nicht der Rede wert.
Schreibt mir einer einen Tipp, oder sagt ihm, wie er das Problem mal gelöst hat, will er damit sagen, dass ich mich total gehen lasse, dass ich alles falsch mache, dass ich ja selbst schuld bin, denn ich könnte es ja selbst in die Hand nehmen.
Stellt einer zu etwas, das ich geschrieben habe eine Verständnisfrage, oder hinterfragt einfach ein bisschen, bedeutet das, dass er mir nicht glaubt, dass ich völlig dumm bin und mich nicht mal verständlich ausdrücken kann, dass er nicht richtig gelesen hat, weil er sich nicht für mich interessiert und er mich bloßstellen will.
Frage ich etwas und gebe einen Tipp und es kommt keine Reaktion, will man mir damit sagen, dass ich nerve, dass ich keine Ahnung habe, dass mit mir eh keiner redet und ich völlig unwichtig bin.
Lobt mich jemand, wie gut ich mit etwas umgehe und sagt, er hätte da ja Angst / schlechtes Gewissen, merke ich deutlich, dass ich eigentlich keine Probleme habe, die der Rede wert sind, oder denke ich sollte AUCH schlechtes Gewissen haben, und er will mir damit vorwerfen, dass ich ein schlechter und unmoralischer Mensch bin.
Und so weiter.

Überall lauert Gefahr, Ablehnung, Gelächter, Verachtung.

Manche erpressen einen indem sie mit Jammernbeiträgen Aufmerksamkeit erzwingen wollen und mit SVV / Suizid "drohen", wenn sie diese nicht bekommen. ...... und du bekommst tatsächlich schlechtes Gewissen dich nicht besser zu kümmern.... oder wirst wütend auf sie...... und lässt diese Wut am nächsten User aus.
Manche weisen einen auf die ganzen Fehler und Mängel hin, die man hat, weil sie die Befürchtung haben, man würde sich über sie stellen, und das müssen sie bekämpfen. ..... und du bekommst tatsächlich den Eindruck, du bist so ein Versager.....
Manche sagen nichts, behalten ihr Misstrauen für sich, aber machen akribisch Listen, wer wem geantwortet hat, wer ihm nicht aber anderen geantwortet hat, und sammelt alle Beweise dafür, wie unbeliebt und abgelehnt er ist, ohne je zu motzen, bis er dann plötzlich das Forum verlässt mit den Worten "ich merk schon, dass ich hier nicht erwünscht bin etc"...... und du machst dir schlechtes Gewissen, dass du nicht besser auf ihn geachtet hast.... oder wirst wütend, dass er so tut.....
Manche erniedrigen sich, schreiben immer wieder wie schlecht sie sind, wie furchtbar, "ihr habt so Recht, ich bin ein Nichts" und egal, was geantwortet wird, er wird immer so interpretiert, dass man ihn verachtet.....
Danngibt es noch die Schlangen, die sich einschleichen, die Fakes, diedurch Widersprüche dann entlarvt werden, oder Leute, die alle möglichenanderen anmachen - es gibt Streit hier und Stress dort.... und alleanderen sind wieder totaaaaaal verunsichert.
Dann wird es da die Leute geben, die aus Versehen ganau die gleichen Phrasen fallen lassen, wie die Mutter, der Vater, der Ex.... oder einen total an die Mutter, den Vater, die Schwester, den Ex...... erinnern.

So MB-Foren-User sind - unter der starken, netten, freundlichen, hilfbereiten, kommunikativen, intellektuellen, herzlichen.. sonst-was Oberfläche ein sehr empfindliches Völkchen.

Das ist ok - weil es verständlich ist.
Und die ganzen Pathologien von wegen Unfähigkeit zu Vertrauen, Selbsthass, Unfähigkeit für sich einzustehen, Stimmungsschwankungen und unkontrollierte Wut etc etc etc.... also die ganzen Folgeschäden von Missbrauch da eben voll zu tragen kommen.

Trotzdem kann es einen super Austausch geben, der nett, hilfreich ist und einen weiter bringt. Trotzdem bilden sich Freundschaften. Trotzdem passt man aufeinander auf. Trotzdme werden Streits geschlichtet, Missverständnisse geklärt.
--- den Eindruck, dass es durch und durch furchtbar ist, will ich nicht aufkommen lassen! Ist es nicht!!

Aber wenn du in einem Forum schreibst, wirst du so was erleben - bei dir und bei anderen. Und da muss man ein Stück weit darauf gefasst sein, und damit umgehen können.

Ganz wichtig dabei ist, dass man lernt sich abzugrenzen, zu trennen zwischen dem: Was ist meins? und was ist ihrs?

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Der Rekord liegt bei 49 Benutzern am Fr 8 Jul 2016 - 19:11