Arten von emotionalem Missbrauch

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Arten von emotionalem Missbrauch

Beitrag von Admin am 23.03.12 0:49

Die folgende Liste setzt sich hauptsächlich aus Beispielen aus diesem Forum und aus eigener Erfahrung zusammen, ergänzt durch weitere Beispiele aus dem Internet und aus der Fachliteratur. Sie behandelt hauptsächlich die Eltern-Kind-Beziehung im Kindesalter.

Viele der Beispiele lassen sich auf emotionalen Missbrauch in der Partnerschaft übertragen indem das Wort „Kind“ durch „Partner“ ersetzt wird. Manche der genannten Beispiele fallem beim emotionalen Missbrauch zwischen Partnern weg und andere kommen hinzu.

Weitere Beziehungen in welchen emotionaler Missbrauch stattfinden kann und auf welche in dieser Liste vorerst nicht spezifisch eingegangen wird sind: emotionaler Missbrauch in der Schule oder in der Arbeitsstelle, sei es zwischen Schülern/Mitarbeiter oder von Lehrer/Chef zu Kind/Angestellter (Mobbing), emotionaler Missbrauch von Eltern an erwachsene Kinder, emotionaler Missbrauch in "Freundschaften" sowie emotionaler Missbrauch von Jugendlichen und erwachsenen Kindern an die Eltern.

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Verbales/Emotionales Herabsetzen
- direkt: das Kind konstant (öffentlich oder zu Hause) lächerlich machen, bloßstellen, erniedrigen, verhöhnen. Themen sind oft das Wesen des Kindes („Du bist dumm/blöd/unfähig/schlecht!“,...) oder der Körper des Kindes („Du bist fett/hässlich!”, „Du stinkst!“,...).
- indirekt: die Herabwertung ist hinter einem angeblich wohlmeinenden Ratschlag versteckt oder hinter Sarkasmus („Geh nicht in die Sonne, dann wirst du noch brauner als du jetzt schon bist.“ (versteckter Rassismus), „Zieh dieses Kleid nicht an, es betont deinen fetten Hintern.“, „Diese Frisur betont deine krumme Nase.“, „Gut, dass dein Chor so viele Mitglieder hat, da hört man nicht wenn du falsch singst.“,...)
- verletzende Namen/Sprüche („Schlampe”, „Dumme Zicke!”, „Missgeburt!“, „Bastard!“, „Verdammter Hurensohn!“ , „Fick dich!“, „Du verzogene, egoistische Göre!“, „Du wertloses Stück Scheisse!“, „Geh und bring dich um!“, „Bist du bescheuert oder was?”, „Dich muss man im Spital verwechselt haben!”, „Ich bring dich um!“...) - selbst wenn sie angeblich als Scherz gesagt werden!
- das Kind im Vergleich mit schlechten Vorbildern herabsetzen: „Du wirst so enden wie deine (drogenabhängige) Schwester.“, „Du bist so verdorben wie dein (gewalttätiger) Vater“, ...
- Sachen nicht ausprobieren lassen mit der Begründung, das Kind sei zu dumm dafür; das Kind entmutigen („Du bist schlecht in diesem und jenem, brauchst es gar nicht zu versuchen!”)
- dem hilfesuchendem Kind keine Hilfestellung bieten oder mit du-stellst-dich-ja-blöd-an-Haltung helfen (z.B. bei den Hausaufgaben "helfen", aber es fertig machen sobald es eine falsche Lösung bringt oder sich nicht sicher ist ob es die korrekte Lösung hat)
- das Vertrauen des Kindes missbrauchen (z.B. persönliche Sachen des Kindes an Drittpersonen weitererzählen in der Absicht, es lächerlich zu machen)
- dem Kind falsche Fakten erzählen in der Absicht, es lächerlich zu machen

Verbale/Emotionale Invalidierung
- Wünsche/Träume/Ziele des Kindes lächerlich machen („Träum weiter, das schaffst du nie!“, „Mach dich nicht lächerlich, du bist zu dumm für so etwas!”) - kein Vertrauen in das Kind zeigen
- Gefühle/Sorgen des Kindes lächerlich machen oder verharmlosen/abwerten („...das bildest du dir nur ein...”, „Du übertreibst!“, „Heulsuse!“, „Reiss dich zusammen!“ „Du hast keinen Grund traurig zu sein.”, „Stell dich nicht so an!”, „Andere haben es schlimmer...”, „Du bist zu sensibel!“,...) oder wütende Reaktion darauf („Ich habe auch meine Probleme und stell mich nicht so an!”, „Meine Kindheit war schlimmer!“,...)
- die Gefühle/Wünsche des Kindes invalidieren indem man sagt, man kenne die Gefühle/Wünsche des Kindes besser als das Kind es selber tut
- dem Kind verbieten Stolz auf eine vollbrachte Leistung zu sein, weil es als egoistisch oder sündig angesehen wird („Du brauchst dir gar nichts einzubilden.”,...)
- dem Kind verbieten negative Gefühle wie Wut oder Trauer zu empfinden, weil es als egoistisch oder sündig angesehen wird
- die Wahrnehmung des Kindes abstreiten, missbräuchliche Situationen leugnen („Du lügst, ich habe den Streit nicht angefangen sondern du.“, „Ich habe dich nicht beschimpft!“)
- verletzende (sarkastische) Aussagen durch „Ich habe doch nur Spaß gemacht!”, „Du hast wohl keinen Sinn für Humor?“, „Nimm doch nicht alles gleich so ernst!“, „Du übertreibst, das war doch gar nicht so schlimm.“ etc. verharmlosen
- wenn das Kind im Recht ist, wird dies mit Indifferenz behandelt – wenn es im Unrecht ist, wird der Fehler breitgelegt
- nie eigene Fehler zugeben sondern haben ausnahmslos immer Recht und ausnahmslos immer das letzte Wort haben müssen – selbst wenn die Begründung an den Haaren herbeigezogen oder schlicht falsch ist; sich nie entschuldigen
- bei Hinweis des Kindes auf Missstände in der Familie jegliche Diskussion abblocken mit „Du bist undankbar!”, „Wie kannst du es wagen, so etwas zu sangen!“ etc. allenfalls mit nachfolgender Aufzählung was eben alles doch gut ist oder Hinweis auf diejenigen, die es "schlechter" haben oder dass man doch froh sein soll, weil man nicht körperlich/sexuell missbraucht werde oder weil man es doch viel besser habe als die Eltern es als Kinder hatten
- den emotionalen Missbrauch abstreiten mit dem Hinweis, dass man das Kind nicht missbrauche, weil man es nicht schlage
- Gefühle bestrafen (z.B. durch ignorieren oder verspotten) und/oder als falsch ansehen (Zeichen von Schwäche)
- Geschichten von Problemen (z.B. Mobbing) lächerlich machen, dem Kind die Schuld geben
- abwertende Reaktion bei offensichtlich psychischen Problemen (SVV, Suizidalität, Essstörungen, etc) des Kindes („Womit haben wir so ein gestörtes Kind verdient?”, „Ich wusste schon immer, dass du verrückt bist.”, „Du machst das doch nur um Aufmerksamkeit zu bekommen!”,...)
- dem selbstständiger werdenden Kind nicht den Raum für andere Ansichten, Kritik lassen („früher warst du dankbarer/lieblicher/braver”,...), teilweise obwohl man es zum Selbständig werden ermuntert – das Kind darf keine eigene Meinung aussprechen
- konstant die eigene Meinung dem Kind aufzwingen ohne zumindest ansatzweise die Meinung und Gefühle des Kindes wahrzunehmen („Deine Meinung interessiert mich nicht!“); zu blindem Gehorsam erziehen – das Kind darf keine eigene Meinung haben
- das Kind darf nur reden, wenn es von den Eltern gefragt/angesprochen wird

Schuldgefühle einreden
- dem Kind sagen, es sei ungewollt, es sei ein Unfall, es sei eine Last, man hätte es abtreiben wollen, etc.
- negative Einstellung zum Kind haben, weil es eine Folge von sexuellem Missbrauch an die Mutter war
- Geschichten erzählen, wie kompliziert die Schwangerschaft/Geburt gewesen sei, wie sehr man habe leiden müssen oder wie schwierig das Kind als Baby/Kleinkind gewesen sei – ohne ihm gleichzeitig klar zu machen, dass es nicht seine Schuld ist, dass die Mutter solche Mühe hatte
- dem Kind die Schuld für Krankheiten die es hat geben, entweder direkt oder indirekt indem beklagt wird, wie viel man für das Kind aufwenden müsse
- stetige Dankbarkeit fordern, weil man Zeit und Geld für das Kind aufwendet
- sich als Märtyrer für das Kind hinstellen („Eigentlich will ich mich scheiden lassen, tu es dir zuliebe aber nicht.”, „Eigentlich wollte ich Karriere machen, bin aber dir zuliebe Hausfrau geblieben und habe meine Wünsche aufgegeben.”,...)
- Sachen machen/kaufen/sagen von denen das Kind ausdrücklich gesagt hat, es möchte es nicht, und dann große Dankbarkeit dafür verlangen und Schuldgefühle einreden
- allgemein dem Kind die Schuld an allen Problemen geben, die die Eltern haben inklusive Drogensucht, Alkoholsucht („Du bist so schwierig, du bist Schuld, dass ich angefangen habe zu trinken.”, etc.),..
- dem Kind die Verantwortung für die Gefühle der Eltern geben
- in den Folgen die das Verhalten des Kindes hat übertreiben („Wenn Mama krank wird, ist das deine Schuld.”, „Du wirst mich mit deinem Verhalten noch unter die Erde bringen.”,...)
- bei Situationen, wo der Missbrauch von Außenstehenden bemerkt wird, das Kind lügen und die Schuld auf sich nehmen lassen (typisches Beispiel: das Kind sagen lassen, die blauen Flecken seien entstanden, weil es die Treppe heruntergefallen sei, wo es in Wirklichkeit geschlagen wurde)
- im Fall von körperlicher oder sexueller Gewalt (auch durch Drittpersonen), dem Kind direkt die Schuld geben oder aufgrund von mangelnder Aufklärung und Gesprächsmöglichkeiten nicht klar machen, dass es keine Schuld trägt
- Drittpersonen dazu veranlassen, negativen und einseitigen psychischen Druck auf das Kind auszuüben (z.B. den Lehrer/Nachbar/Pfarrer etc vom "bösen Kind" erzählen damit dieser dem Kind "gut zuredet" und dazu auffordert "den Eltern besser zu gehorchen")
- psychischer Druck / Angstmachen durch Religion oder ähnliches („Wenn du so ungehorsam bist, kommst du in die Hölle.”, „Du bist ja vom Teufel besessen!”, „Gott sieht wie böse du bist und wird dich bestrafen.“,... ; normale Bedürfnisse wie sich „in“ ankleiden wollen als "sündig" werten)
- bei klar missbräuchlichem Verhalten, die Schuld auf das Kind schieben („Ich würde dich nicht derart anschreien/beschimpfen/schlagen wenn du nur folgsamer wärst.“)
- dem Kind Versprechungen machen, die man nicht vorhat einzuhalten (z.B. „Wenn du die Küche geputzt hast, darfst du hinaus spielen gehen“ obwohl klar ist, dass es dunkel sein wird draußen bis es diese Aufgabe fertig hat und deswegen nicht rausgehen dürfen wird) und/oder immer weitere Bedingungen für die Belohnung fordern (z.B. falls es doch schaffen sollte, die Küche zu putzen bevor es draußen dunkel ist, eine erweiterte Bedingung stellen, dass es auch noch das Bad putzen muss) – dem Kind wird suggeriert, es sei selber Schuld daran, dass es das Ziel (die Belohnung) nicht erreicht hat obwohl die Belohnung in Wirklichkeit unerreichbar ist

Rollentausch, Selbstbefriedigung der Eltern
- das Kind als Diener der Eltern sehen
- das Kind als Ersatz-Ehepartner sehen
- dem Kind befehlen, seine Liebe zu bekunden („Umarme mich jetzt!”, „Sag, dass du mich lieb hast!”,...)
- das Kind zu Körperberührungen zwingen, die es nicht möchte (z.B. zwingen, der Mutter den Rücken zu waschen; Beine als Rückenlehne benutzen auch wenn es gesagt hat, dass es das nicht möchte; auskitzeln auch wenn es nicht will: „Sei jetzt kein Spielverderber!”)
- vom Kind Verständnis für die eigene psychische Krankheit (und damit gekoppelte Verfehlungen) erwarten ohne sich Hilfe zu suchen („Sei nicht böse auf mich, du weißt doch, dass ich depressiv bin und nichts dafür kann..”)
- vom Kind Verständnis für missbräuchliches Verhalten erwarten („Ich hatte einen schlechten Tag.“, „Das Leben ist so schwer gerade...“, „Ich hatte eine schlechte Kindheit“)
- das Kind muss Aufgaben übernehmen, die eigentlich in die Elternrolle gehören, sei es emotional, wobei die eigenen Probleme untergehen (z.B. die Probleme des Vaters in der Partnerschaft oder in der Arbeit etc. anhören und für ihn da sein; die depressive Mutter wieder aufmuntern; den suizidalen Vater vom Suizid abbringen) oder aber praktisch (z.B. den Haushalt führen / sich um die Geschwister kümmern, weil die Mutter zu depressiv dafür ist)
- die Eltern verhalten sich unpassend kindisch (übernehmen die Kinderrolle, z.B. nehmen dem spielenden Kind das Spielzeug weg, weil sie selber damit spielen wollen)
- Wünsche der Eltern auf das Kind projizieren (z.B. dem Kind ein Spielzeug schenken, das es nicht will, weil man selber dieses Spielzeug möchte; das Kind zum Gesangsunterricht zwingen, weil Mutter/Vater es sich selber als Kind gewünscht hatte aber nicht erhalten hat) - die Wünsche des Kindes selber werden dabei ignoriert
- das Kind als Vorzeigeexemplar: es muss sich zwangsweise Fähigkeiten wie das Spielen eines Instrumentes oder überragendes Können in einer Sportart aneignen - der durch Aussenstehende erfolgende Lob dient den Eltern als Selbstbefriedigung.
- das Kind muss immer zur Verfügung stehen um die Bedürfnisse der Eltern zu befriedigen (z.B. den Vater trösten, die Mutter massieren, etc) und wird kritisiert wenn es die Aufgabe nicht perfekt den Wünschen der Eltern entsprechend erfüllen kann

falsche Erwartungen
- dem Kind nicht erlauben, Fehler zu machen
- kein Lob; alles als selbstverständlich sehen, insbesondere bei Sachen, die nicht zwingend alterskonform sind (z.B. Grundschulkind, das den gesamten Haushalt führt)
- unerreichbare Ziele, unerfüllbare Anforderungen setzen; nie zufrieden sein (das Kind ist nie brav/fleißig/lieb genug)
- dem Kind Sachen verbieten/nicht lehren (z.B. kochen) und dann verspotten/erniedrigen, weil es sie nicht machen kann („Nicht mal das kannst du...”, „Gib doch nicht gleich auf, wenn etwas nicht funktioniert!”), allenfalls mit Hinweis auf alle anderen Kindern, die das doch schon können; teilweise auch gleich wieder verbieten wenn es nicht gleich beim ersten mal klappt („Ich mach das, du bist zu tollpatschig dafür / du machst das total falsch.)
- Sachen verlangen, die das Kind altersgemäß noch gar nicht kann (z.B. das Kleinkind soll alleine das Bett beziehen) ohne Unterstützung anzubieten
- Sachen, die biologisch- und entwicklungsbedingt noch nicht kontrollierbar sind vom Kind beziehungsweise noch nicht (gut) korrekt gemacht werden können als Frechheit/Ungehorsamkeit ansehen oder auslachen (z.B. das Baby pinkelt die Mutter an; das Kleinkind kann den Stift noch nicht korrekt greifen; das Kindergartenkind ist nicht genau pünktlich zu Hause)
- das Kind heftig bestrafen, bei versehentlichen Vergehen (z.B. ein Gegenstand A fällt runter und zerbricht), insbesondere auch wieder wenn es nicht altersgemäß war (z.B. das Kind soll Gegenstand A bringen, das eigentlich zu gross / zu schwer für es ist; das Kind weiß noch nicht, wie man Gegenstand A optimal festhält)
- beste Noten als Selbstverständlichkeit ansehen, Strafe bei mittelmässig guten Noten
- schlechte Schulleistungen bestrafen ohne Lösungen anzubieten (z.B. Nachhilfeunterricht) und/oder ohne im Vorfeld eine lernfördernde Umgebung erschafft zu haben (z.B. sich nie um schulische Belange gekümmert, nie bei den Hausaufgaben geholfen etc.)
- verbesserte Schulleistungen nicht anerkennen oder verspotten („Na also.”, „Kaum zu glauben, dass du jetzt diese gute Noten gemacht hast.”,...)

falsche Grenzen und Kontrolle
- keine Grenzen setzen: das Kind darf und bekommt alles wann, wo, wie es sich das wünscht
- inkonsistente Grenzen: dem Kind eine Regel nicht beibringen (z.B. Hausaufgaben werden vor dem Spielen erledigt; der Tisch wird nach dem Essen aufgeräumt), dann diese plötzlich doch einführen (zeitweise oder langfristig) und das Kind beschimpfen/bestrafen, wenn es sich nicht augenblicklich anpasst
- zu enge Grenzen setzen: nicht-altersgemäße Kontrolle des Lebens des Kindes (z.B. du darfst nur mit Kind A spielen, detaillierten Bericht der Tageserlebnisse verlangen)
- das Kind überbemuttern und krankhaft überfürsorglich sein und ihm keine Möglichkeit geben, eigene Erfahrungen zu machen und aus Fehlern zu lernen (z.B. ihn nie erlauben in der Küche oder sonst im Haushalt mitzuhelfen oder ihm stets nur erlauben, ruhige Spiele zu machen - aus Angst, es werde sich verletzen)
- dem Kind nachspionieren
- dem Kind keine Privatsphäre lassen (z.B. Tagebuch lesen, private E-Mails lesen; Telefonate abhören; Zimmer durchsuchen; keine Privatsphäre im Bad)
- dem Kind keine Privatgegenstände lassen
- Vorschriften/Beschränkungen für Alltagsbedürfnisse wie zur Toilette gehen, duschen, etc.
- starke Einschränkung der Bücher, die das Kind lesen darf (z.B. nur Schulbücher/Lehrbücher)
- starke Einschränkung der Musik, die das Kind hören darf (z.B. nur religiöse Musik)
- das Kind zwingen, mehr/weniger zu essen als es mag - sofern keine Essstörung vorliegt, aber dann sollte professionelle Hilfe gesucht werden
- das Kind zwingen, einen gewissen Kleiderstil zu haben und auch nicht ab einem gewissem Alter zumindest teilweise selber wählen zu dürfen (z.B. Mädchen dürfen nur Röcke tragen)
- Frisur bestimmen, entgegen den Wünschen des Kindes - sofern diese Wünsche nicht unaltersgemäß/ausgefallen sind (z.B. zwingen Fransen zu tragen wenn es das nicht möchte; zwingen die Haare kurz zu haben wenn es lange möchte; genereller Verbot, die langen Haare offen zu tragen; zwingen Zöpfe zu haben)
- den Umgang mit anderen Kindern verbieten oder stark einschränken
- Freizeitaktivitäten verbieten - sofern diese nicht verwerflich sind und keine finanziellen oder organisatorischen Hindernisse vorliegen
- keinen altersgemäßen Freiraum lassen, etwa für das abendliche Ausgehen (z.B. Disco bei gewissem Alter mit abgesprochenen Regeln/Grenzen) aber auch für den Alltag (z.B. shoppen mit Freunden ab gewissem Alter)

schädigender Einfluss auf Beziehungen: Partnerschaft, Geschwister, Drittpersonen
- gehässig/wütend/genervt/vorwurfsvoll reagieren, wenn das Kind sich mit dem anderen Elternteil besser versteht
- das Kind als Schutzschild benutzen bei Streitereien (z.B. es soll die schwächere Mutter vor dem stärkeren Vater beschützen)
- das Kind soll streitende Eltern auseinanderbringen (bevor sie sich Gewalt antun)
- dem Kind die Rolle vom Sprachrohr/Vermittler zwischen Mutter und Vater und/oder bei Streit zwischen Familienmitgliedern allgemein aufzwingen
- das Kind zwingen, Partei zu ergreifen
- unbedingte Loyalität vom Kind verlangen („Wenn du zu Mama gehst bin ich böse/traurig.”); Vorwürfe, es würde den "bösen" Partner bevorzugen („Du bist sowieso auf der Seite deines Vaters!”)
- das Kind gegen den anderen Partner aufhetzen
- das Kind dem Partner nachspionieren lassen
- dem Kind die Schuld für die schlecht funktionierende Partnerschaft geben
- dem Kind die Schuld für konkrete Streitmomente in der Partnerschaft geben und Angst vor den Folgen einflössen (z.B. wenn ein Elternteil nach einem Streit in Wut aus dem Haus geht, sagen was dem anderen draußen alles passieren kann und/oder sagen, dass das Kind Schuld ist, wenn sich der andere jetzt umbringt)
- vom Kind Verständnis und Mitarbeit im Umgang mit dem missbräuchlichen Elternteil erwarten („Mach dies, mach jenes, sonst rastet Vater wieder aus.”, „Wenn die Mama das rauskriegt gibt’s Ärger.”, „hab Verständnis für das schwierige Verhalten deines Vaters, er hatte eine schlimme Kindheit”,...)
- sich über die Themen Scheidung, Trennung streiten ohne dem Kind zu klären, dass es nicht dessen Schuld ist
- nach der Scheidung den Kontakt verbieten, ohne eine neutrales, erklärendes Gespräch mit dem Kind zu haben
- nach der Scheidung den Ex-Ehemann schlechtmachen (bei bleibendem Vater-Kind-Kontakt)
- dem Kind die Schuld für die Scheidung geben
- dem Kind die Schuld für die Nicht-Scheidung geben („Ich lasse mich nicht scheiden, damit du einen Vater hast / damit ich genügend Geld für dich habe.”)
- im Vergleich mit den Geschwistern herabsetzen („Deine Schwester kann ... besser als du.”)
- überhöhte Erwartungen, unter Druck setzen („Du sollst besser sein als dein Bruder.”, „Du sollst die perfekte Schwester sein.”)
- dem Kind eine nicht-altersgemäße Verantwortung (momentanes Aufpassen oder volle Erziehung) für die jüngeren Geschwister aufbürden – dabei findet keine oder nur minimale elterliche Hilfe statt und das Kind wird für Handlungen der Geschwister verantwortlich gemacht („Du bist schuld, wenn die Kleinen nicht brav sind.“, „Du bist schuld, dass deine Schwester hingefallen ist.“,...)
- ein Lieblingskind haben, das alles darf, während die anderen Geschwister sich strikt an Regeln halten müssen und hart/härter bestraft werden, oder umgekehrt ein Kind haben, das schlechter als alle anderen Geschwister behandelt wird
- mit einem der Geschwister schlecht über das andere reden; Geschwister gegeneinander aufspielen
- einem der Kinder die Sündenbockrolle für die Verfehlungen der Geschwister zuweisen
- sexistisches Verhalten: die Knaben in der Familie bevorzugen, sie haben mehr Freiraum als die Mädchen
- Probleme totschweigen 1: hinter dem Rücken des Kindes schlecht über das Kind reden (über Probleme, die man mit dem Kind hat, reden) und vor dem Kind so tun als wäre alles in Ordnung und die Probleme nicht ansprechen
- Probleme totschweigen 2: bei Krankheiten, Tod etc. in der Familie, das Kind nicht altersgemäß informieren und ihm durch Erklärung die Angst vor der Situation nehmen und Raum zur Trauer lassen
- emotionale/körperliche/sexuelle Gewalt von Drittpersonen (inkl. Ehepartner) am Kind dulden beziehungsweise es nicht davor schützen (z.B. sich nicht von einem missbräuchlichen Partner trennen; dem Ehemann die schlechte Noten des Kindes zeigen obwohl klar ist, dass dieser dann das Kind schlagen wird)
- dem Kind zwingen, Drittpersonen (inkl. Ehepartner und Geschwister) emotionale/körperliche/sexuelle Gewalt anzutun (anlügen, beschimpfen, verspotten, schlagen...)
- das Kind zwingen, der emotionalen/körperlichen/sexuellen Gewalt gegenüber Drittpersonen (inkl. Ehepartner) zuzuschauen (z.B. häusliche Gewalt, regelmäßiger Streit zwischen den Partnern)
- die Wut auf Drittpersonen (z.B. Partner, Stiefmutter, Chef) am Kind auslassen
- Schimpftiraden in welchem das Kind stellvertretend für Drittpersonen ausgeschimpft wird (z.B. der Vater ist auf den Onkel wütend und beschimpft das Kind so, als ob es der Onkel wäre – selbst wenn vorher oder danach dem Kind gesagt wird, dass „Das ist, was ich dem Onkel am liebsten sagen würde, es betrifft nicht dich.”)

abstruse Weltsichten, Persönlichkeitsstörungen
- negative, düstere Sicht von der Welt haben und diese aufs Kind übertragen („Die Welt geht bald unter.”, „Du darfst niemanden vertrauen.”, „So genannte Freunde wollen dich nur ausnützen.”,...)
- emotionale/körperliche Gewalt als normales Kommunikationsmittel sehen
- eigenes schlechtes Verhältnis zur Sexualität aufs Kind übertragen: Angst vor dem Sex machen; vulgäre Sprache; harmlose Aktionen des Kindes werden sexualisiert, etc.
- eigenes schlechtes Verhältnis zum anderen Geschlecht aufs Kind übertragen: anderes Geschlecht als böse, schlecht, trägt-die-Schuld-an-allen-Problemen darstellen; Kind drangsalieren, weil es das "falsche" Geschlecht hat, etc
- Kind frühzeitig mit Weltproblemen konfrontieren (z.B. einem 3-jährigen den Holocaust ausführlich erklären) oder damit überhäufen (ständiges Beschäftigen mit / Erzählen von Weltproblemen und dabei die kindlichen/familiären Probleme ignorieren/kleinreden)
- Kind zu herkömmlichen Geschlechterrollen zwingen („Du als Frau sollst im Haus zu bleiben, Kinder kriegen und erziehen und eine brave Ehefrau und fleißige Hausfrau sein.”, „Der Mann hat das Sagen im Haus.”, „Du darfst als Mann keinen Frauenberuf wählen.”,...)
- zu abwertenden Weltsichten erziehen (z.B. Rassismus, Sexismus, Religion in welcher alle Ungläubige als Menschen zweiter Klasse zu behandeln sind, etc.)
- den Jugendlichen (das Kind) emotional und verbal attackieren, weil es nicht die rassistische/sexistische/extremistische/menschenverachtende Ideale der Eltern übernehmen will
- das Kind wegen seiner Hautfarbe oder seiner sexuellen Einstellung emotional und verbal attackieren
- stark auf Geld und Materielles fixierte Erziehung, auf Kosten der zwischenmenschlichen, sozialen Beziehungen und Gefühle
- Kind zum strafbarem Verhalten anweisen (z.B. schlagen, stehlen, mobben, etc.)
- Stimmungsschwankungen: ohne ersichtlichen Grund oder bei geringstem Vergehen verändert sich die Stimmung des Vaters von lieb zu extrem gereizt – daraus folgt auch unvorhersehbares/inkonsistentes Verhalten: heute wird etwas verboten und bestraft, morgen ist dasselbe erwünscht und wird gelobt, ganz abhängig von der momentanen Stimmung des Vaters
- zwei Gesichter: sich vor Fremden gegenüber dem Kind ganz anders (in der Regel liebevoller, ruhiger, verständnisvoller) verhalten als wenn man alleine mit dem Kind ist
- Manipulation dadurch, dass nichts vergessen und verziehen wird: vergangenes fehlerhaftes (zumindest aus der subjektiven Sicht der Eltern fehlerhaft) Benehmen wird dem Kind immer wieder vorgeworfen („Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“, „Du hast dich in den vergangenen zwei Wochen bereits zweimal frech benommen, vor drei Wochen hattest du einen Tobsuchtanfall und vorgestern hast du mir extrem unmotiviert beim Abwaschen geholfen.“,...) und insbesondere in Streitfällen dazu verwendet, das Kind mundtot zu machen (Aufzählung sämtlicher vergangener Schuldtaten als „Beweis“, dass das Kind schlecht ist)
- die Einstellung haben, dass Erfolge des Kindes (z.B. gute Noten) einzig Verdienst der Mutter / des Vaters sind und Misserfolge einzig Schuld des Kindes
- sich als unfehlbar ansehen und allenfalls die Unfehlbarkeit religiös begründen („Gott hätte uns euch Kinder nicht gegeben, wenn wir nicht gute Eltern wären”) – somit ist nie Kritik erlaubt. Oft folgt auch daraus, dass die Regeln, die für andere „normale“ Menschen gelten, für die Eltern selber nicht gelten
- eine vollkommen egozentrierte Weltsicht, in welcher alle anderen Personen (inklusive den Kinder) Menschen zweiter Klasse sind und der Mutter dienen müssen
- alle-sind-böse-außer-ich-Weltsicht (Bsp. alle andere Eltern sind zu wenig streng, alle anderen Kinder sind schlecht erzogen)
- alle-sind-gegen-mich-Weltsicht: Worte/Taten des Kindes (und anderer) so verstehen/verdrehen/ändern, dass es als persönlicher Angriff gegen die Mutter angesehen wird, beziehungsweise in der vollen Absicht, die Mutter zu ärgern
- Lügengeschichten erfinden: das Kind hat dieses und jenes Schlechte gemacht (z.B. etwas gestohlen oder Drogen genommen, oder einfach frech gewesen) und muss allenfalls deswegen bestraft werden.Teilweise wird die Lüge dem Partner, dem Lehrer, den Freunden, etc weitererzählt. Es kann aus Freude am Erniedrigen des Kindes erfolgen oder aber man tatsächlich von der eigenen Lügengeschichte überzeugt ist oder um die Wut des missbräuchlichen Partners von sich weg und auf das Kind zu lenken.
- vergangene Problemsituationen abstreiten, weil man die tatsächlich wieder vergisst/verdrängt hat
- emotionalen Missbrauch nicht als „echter“ Missbrauch sehen – nur körperliche und sexuelle Gewalt sind schlimm und falsch; oft sind diese Eltern richtig stolz darauf, dass sie ihr Kind nicht schlagen – im Gegensatz zu möglicherweise ihren eigenen Eltern – und merken dabei nicht, dass sie es emotional missbrauchen
- übertriebener Geiz: trotz vorhandenem Geld das Kind mit abgetragenen Kleider herumlaufen lassen oder schlechtes Essen vorsetzen – dabei gönnt man sich selber alles/mehr oder aber auch nichts
- den Tagesablauf und überhaupt alles bis aufs kleinste Detail regeln, minimale Abweichung hat schlimme Konsequenzen
- übertriebene Reinlichkeit, Putzzwang; übermäßige Ordnung im Haus
- Messie-Syndrom
- Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom
- Sadismus: der emotionale Missbrauch geschieht bewusst, um sich am Leid des Kindes zu erfreuen
- am Kind die Frust über die eigene Kindheit auslassen: weil man es selber schlecht als Kind hatte, soll es das eigene Kind auch nicht besser haben
- Kind als Besitz sehen

emotional schädigende Disziplinärmassnahmen
- das Kind anschreien
- die Liebe des Kindes zum Elternteil zur Manipulation benutzen („Wenn du jenes nicht tust, bedeutet das, dass du mich nicht lieb hast.”)
- mit Liebesentzug drohen („Wenn du das nicht für mich tust, habe ich dich nicht mehr lieb.”, „Wenn du das nicht tust, bist du nicht mehr mein Kind.”,...) oder tatsächlich bestrafen (z.B. ihm für eine bestimmte Zeit positive Worte und Körperberührungen verwehren)
- das Kind durch Schweigen bestrafen
- dem Kind den bösen Blick geben
- das Kind zur Strafe ignorieren
- sich zur Strafe gegenüber dem Kind kalt und abweisend verhalten
- Androhung das Kind zu verlassen
- Androhung das Kind in ein Kinderheim/Erziehungsanstalt zu bringen
- Androhung dem Kind körperliche oder sexuelle Gewalt anzutun („Du kriegst gleich eine Tracht Prügel!”, „Hör auf zu heulen oder ich gebe dir einen echten Grund!“,...)
- Androhung, sich oder andere dem Kind nahestehende Personen zu verletzen oder umzubringen
- Androhung von undefinierten Folgen/Strafen („Wart nur ab, du wirst noch dein blaues Wunder erleben.“)
- Kontrolle und Manipulation durch minuten- bis stundenlangen Moralpredigten nur schon beim kleinsten Vergehen – oft mit religiösen Elementen
- als Strafe in einem Raum einsperren (dunkle Räume wie Keller, Besenkammer; auch im eigenen Zimmer wenn es länger als ein paar Minuten und/oder eine regelmäßig angewendete Erziehungsmaßnahme/Strafe ist)
- Probleme totschweigen 3: das Kind kriegt nicht gesagt, wann es einen Fehler macht oder dass ein bestimmtes Verhalten von ihm erwartet wird, sondern es wird ohne Erklärung durch bösen Blick/ignorieren/Schuldgefühl wecken (z.B. traurige Miene des Vaters) bestraft
- aus der Wohnung aussperren

Emotionale Vernachlässigung
- keine oder wenig Körperberührung mit dem Kind haben (in den Arm nehmen, streicheln)
- dem Kind nicht sagen/zeigen, dass man es liebt
- sich gegenüber dem Kind kalt und abweisend Verhalten (nicht als Strafe sondern grundsätzlich)
- Zuwendung stets nur nach Leistung zeigen, nie spontan
- Gefühle mit Materiellem verdrängen (z.B. einem trauernden Kind keine Gespräche und Körperberührungen anbieten sondern lediglich ein Trostgeschenk geben)
- nur in Gegenwart von anderen Leuten Positives über das Kind sagen, allenfalls als Prahlerei
- dem Kind nicht zuhören
- das Kind ignorieren (nicht als Strafe sondern grundsätzlich)
- kein Interesse an den Gefühlen/Sorgen/Wünschen/Träumen/Zielen des Kindes haben
- sich keine Zeit für Spiele, Unternehmungen etc. mit dem Kind nehmen – wobei gilt: Qualität vor Quantität (eine alleinerziehende Mutter hat verständlicherweise weniger Zeit als eine finanziell gut gestellte Vollzeit-Hausfrau)


Zuletzt von Admin am 11.05.12 18:39 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet (Grund : überarbeitet)
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