Persönlichkeitsstörungen (inkl Borderline & Narzissmus)

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Persönlichkeitsstörungen (inkl Borderline & Narzissmus)

Beitrag von Admin am 22.03.12 23:57

Die aktuelle Unterteilung/Diagnostik ist im Wandel:
http://www.schizoide-persönlichkeitsstörung.de/dsm-v/index.html
http://pagewizz.com/trendwende-viele-persoenlichkeitsstoerungen-werden-kuenftig-nach-dsm-v-nicht-mehr-diagnostiziert/

Allgemeine Informationen
http://de.wikipedia.org/wiki/Persönlichkeitsstörung
http://web4health.info/de/answers/psy-personality-overview.htm
http://www.persoenlichkeitsstoerungen-wiki.de
http://www.stoerung-der-persoenlichkeit.de

Buch
Persönlichkeitsstörungen – Peter Fiedler (Kommentar/Tipp von liv: Da wird in erschöpfenden Einzelheiten die aktuelle Forschungslage dargestellt.)


Paranoide Persönlichkeitsstörung
Diese Persönlichkeitsstörung ist durch übertriebene Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung, Nachtragen von Kränkungen, durch Misstrauen, sowie eine Neigung, Erlebtes zu verdrehen gekennzeichnet, indem neutrale oder freundliche Handlungen anderer als feindlich oder verächtlich missgedeutet werden, wiederkehrende unberechtigte Verdächtigungen hinsichtlich der sexuellen Treue des Ehegatten oder Sexualpartners, schließlich durch streitsüchtiges und beharrliches Bestehen auf eigenen Rechten. Diese Personen können zu überhöhtem Selbstwertgefühl und häufiger, übertriebener Selbstbezogenheit neigen.
Informationen
http://de.wikipedia.org/wiki/Paranoide_Persönlichkeitsstörung
http://www..uni-saarland.de/uploads/media/Paranoide_Persönlichkeitsstörung.pdf


Schizoide Persönlichkeitsstörung
Eine Persönlichkeitsstörung, die durch einen Rückzug von affektiven, sozialen und anderen Kontakten mit übermäßiger Vorliebe für Phantasie, einzelgängerisches Verhalten und in sich gekehrte Zurückhaltung gekennzeichnet ist. Es besteht nur ein begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu erleben.
Informationen
http://de.wikipedia.org/wiki/Schizoide_ Persönlichkeitsstörung
http://www.schizoide-persönlichkeitsstörung.de


Dissoziale Persönlichkeitsstörung
Eine Persönlichkeitsstörung, die durch eine Missachtung sozialer Verpflichtungen und herzloses Unbeteiligtsein an Gefühlen für andere gekennzeichnet ist. Zwischen dem Verhalten und den herrschenden sozialen Normen besteht eine erhebliche Diskrepanz. Das Verhalten erscheint durch nachteilige Erlebnisse, einschließlich Bestrafung, nicht änderungsfähig. Es besteht eine geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten, eine Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationalisierungen für das Verhalten anzubieten, durch das der betreffende Patient in einen Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist.
Informationen
http://de.wikipedia.org/wiki/Antisoziale_Persönlichkeitsstörung
http://www.rechtspsychologie.ch/downloads/DissPKSt.pdf


Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (inkl. Borderline-Störung)
Eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert werden. Zwei Erscheinungsformen können unterschieden werden: Ein impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle; und ein Borderline- Typus, zusätzlich gekennzeichnet durch Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, durch ein chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständige Beziehungen und eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen.
Informationen
http://de.wikipedia.org/wiki/Borderline-Persönlichkeitsstörung
http://www.dr-gumpert.de/html/borderline.html (Kommentar von Sihaya: Dann das hier finde ich recht interessant, weil nicht nur die Diagnosekriterien aufgeführt sind, sondern eben andere "typische Symptome" wie schwarz-weiss Denken, Blenden etc. )
http://www.blpl.de/ (inkl Forum)
http://www.borderlinekunst.de/ (Kommentar von Sihaya: Ich find die Seite hier klasse, vor allem die Texte sind super. Ist eine private Seite von eoner Frau mit Borderline, die paar Gedanken von ihr aufgeschrieben hat - sehr interessant. Kommentar maxx: Hinweis: den Bereich Therapie lesen. Ich habe die Beschreibung von Borderline und des Kernproblems so noch nirgendwo gelesen.)
http://www.blumenwiesen.org/borderline-angehoerige.html

Buch
Borderline. Das-Selbsthilfebuch – Andreas Knuf (Kommentar von Sihaya: Das hatte ich mir in der Bücherei ausgeliehen. Es ist ein ganz kleines Büchlein, aber mit wirklich guten Tipps drin. Gut strukturiert, einfach zu lesen, sehr "dicht" finde ich.)
Mit zerbrochenen Flügeln. Kinder in Borderline-Beziehungen – Manuela Rösel
Borderline-Mütter und ihre Kinder. Wege zur Bewältigung einer schwierigen Beziehung – Christine Ann Lawson
Weg aus dem Chaos. Die Borderline-Störung verstehen - Heinz-Peter Röhr
Das Schluss-mit-dem-Eiertanz-Arbeitsbuch. Für Angehörige von Menschen mit Borderline - Randi Kreger /James Paul Shirley


Zitat: "Trauma und die Folgen" Michaela Huber
Sie schreibt von Borderline als einer komplexen posttraumatischen dissoziativen Störung, was eine noch sehr neue Sichtweise ist.
Spoiler:

6 Borderline-Selbstzustände wurden dabei schon 1999 von Ryle & Golynkina unterschieden:

1. Ideal; hierzu gehören states oder Selbst-Zustände wie; "Ich vertraue anderen", "Andere bewundern mich", "Andere beneiden mich", "Ich habe die anderen unter Kontrolle" und "Ich bin glücklich".

2. Misshandler-Wut nannten die Autoren solche Zustände, bei denen besonders häufig solche Sätze bejaht wurden wie: "Ich will andere verlezten", "Ich kontrolliere die anderen", "Ich fühle mich von Gefühlen überwältigt", "Ich fühle mich außer Kontrolle" und "Ich bin ärgerlich". Haufig gab es hierzu einen reziproken Selbst-Zustand oder eine reziproke Rolle, entweder

3. Machtloses Opfer - hier wurden Äußerungen bejaht wie "ANdere greifen mich an", "Ich fühle mich schwach" und "Ich habe keine Kontrolle über das, was geschieht"j - oder

4. Ärgerliches Opfer: eine Rolle oder ein state, also ein Selbst-Zustand, in dem Sätze bejaht wurden wie: "Ich bin schach", "Ich bin außer Kontrolle", "Ich fühle mich schuldig" und "Ich will andere verletzten". Etwa die Hälfte der Befragten beschrieb auch einen

5. Coping-Zustand, in dem sie hauptsächlich das Gefühl hatten, andere zu kontrollieren und oder einen

6. Zombie-Zustand, in dem sie sich hautpsächlich "von Gefühlen abgeschnitten" fühlten, wobei 5. und 6. oft eng miteinander verbunden waren.

[...]

Häufig sind die Zustände bipolar angeordnet; und häufig sind sie dissoziativ, d.h., die Person kann sich - wenn sie sich in einem Zustand befindet, etwas "Die Wütende" - nicht daran erinnern, wie es sich anfühlt, im entgegengesetzten Zustand zu sein, zum Beispiel "Die Traurige". Ähnlich wie bei den multiplen Persönlichkeiten - die zudem noch völlig amnestisch sein können für das, was sie während anderer Zustände getan haben - kann die Psychotherapie unter anderem darin bestehen, über die verschiedenen Zustände hinweg sich mit dem vertraut zu machen, was der andere "Zustand" oder "Teil" der Persönlichkeit will, welchen Sinn dieser Zustand hat.

Die Betroffenen können lernen, dass sie sich in äußerster seelischer Not in verschiedene Zustände gespalten haben und dass sie durch ein Training diese Spaltung erst einmal so kontrollieren können, dass sie gezielt von einem Zustand in den anderen wechseln können, statt durch die Zustände zu "jagen", ohne sie beeinflussen zu können, was sehr großes Leid macht. Auf Dauer kann es sogar bei einigen - wenn sie nicht weiter traumatisiert werden und ihre Affektkontrolle zunimmt - zu einem Integrationsprozess kommmen, der die Trennung zwischen radikal verschiedenen und gefährlichen Zuständen aufhebt und eine "Durchmischung" und damit Selbst-Kontrolle zulässt."


Zitat: “Dissoziative Störungen und Konversion. Trauma und Traumabehandlung“ Peter Fiedler. Weinheim 2001. Seite 216ff
Spoiler:

Theorie versus Empirie.
Der Ausgangspunkt der meisten Kritiker zielt auf die Hypothese vieler Psychoanalytiker, dass sich die Ursprünge der Borderline-Störungen in den ersten drei Lebensjahren in der Primärfamilie verorten lassen sollte. Die ersten ernsthaften Forschungen zu den frühkindliche Bezügen von Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung widmeten sich entsprechend der Vernachlässigung und dem Fehlen einer adäquaten Sorge für die grundlegenden Bedürfnisse des Kindes (psychisch und/oder emotional; Bradley, 1979; Walsh, 1983; Ogata et al., 1990).
Obwohl nun diese Studien recht genau den Kern der familiären Atmosphäre in den ersten drei Lebensjahren erfasst haben, haben die Autoren (von vermutbaren Einzelfällen abgesehen) weder emotionalen noch physischen noch sexuellen Missbrauch in der Primärfamilie als interindividuell statistisch bedeutsamen Prädikator auf die spätere Entwicklung der Borderline-Störung dingfest machen können. Dies sollten endlich einmal auch von jenen Forschern und Autoren zur Kenntnis genommen werden, die nach wie vor die Entwicklungszeit der Borderline-Störung in völlig kritikloser Akzeptanz von Kernbergs Postulaten (1967, 1975, auch noch 1999) mit traumatischen Erfahrungen in den ersten drei Lebensjahren in Beziehung setzen. Eine solche Ansicht ist heute nicht mehr haltbar - von einzelnen, statistisch jedoch unbedeutenden Ausnahmen abgesehen.

Borderline-Struktur und proffessionelle Helfer
http://www.geps.info/downloads/publikationen/05_02_Kernb.pdf
Kommentar/Tipp Hexe:
In dem Text wird eine Recherche wiedergegeben, über Menschen mit Borderline-Störung und ihren Berufen/Berufswünschen. Dulz begründet, warum Borderliner zwar andere Borderliner gut verstehen können, jedoch diese niemals therapieren können. Gleichzeitig trifft er Aussagen über Bedingungen unter denen es doch gehen könnte.
Mir hat dieser Aufsatz zunächst nicht gefallen, weil ich als Selbstbetroffene mich stigmatisiert fühlte. Erst beim zweiten Durchlesen mit der notwendigen Distanz erschienen mir seine Aussagen echt plausibel und nicht endgültig ablehnend.


Histrionische Persönlichkeitsstörung
Eine Persönlichkeitsstörung, die durch oberflächliche und labile Affektivität, Dramatisierung, einen theatralischen, übertriebenen Ausdruck von Gefühlen, durch Suggestibilität, Egozentrik, Genusssucht, Mangel an Rücksichtnahme, erhöhte Kränkbarkeit und ein dauerndes Verlangen nach Anerkennung, äußeren Reizen und Aufmerksamkeit gekennzeichnet ist.
Informationen
http://de.wikipedia.org/wiki/Histrionische_Persönlichkeitsstörung
http://www.ipp-bochum.de/downloads/histrionische-pd.pdf


Anankastische [zwanghafte] Persönlichkeitsstörung
Eine Persönlichkeitsstörung, die durch Gefühle von Zweifel, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen, Halsstarrigkeit, Vorsicht und Starrheit gekennzeichnet ist. Es können beharrliche und unerwünschte Gedanken oder Impulse auftreten, die nicht die Schwere einer Zwangsstörung erreichen.
Informationen
http://de.wikipedia.org/wiki/Zwanghafte_ Persönlichkeitsstörung
http://www.uni-saarland.de/uploads/media/Zwanghafte_ Persönlichkeitsstörung.ppt


Ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung
Eine Persönlichkeitsstörung, die durch Gefühle von Anspannung und Besorgtheit, Unsicherheit und Minderwertigkeit gekennzeichnet ist. Es besteht eine andauernde Sehnsucht nach Zuneigung und Akzeptiertwerden, eine Überempfindlichkeit gegenüber Zurückweisung und Kritik mit eingeschränkter Beziehungsfähigkeit. Die betreffende Person neigt zur Überbetonung potentieller Gefahren oder Risiken alltäglicher Situationen bis zur Vermeidung bestimmter Aktivitäten.
Informationen
http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstunsicher-vermeidende_ Persönlichkeitsstörung
http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/selbstunsicherheit.html


Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung
Personen mit dieser Persönlichkeitsstörung verlassen sich bei kleineren oder größeren Lebensentscheidungen passiv auf andere Menschen. Die Störung ist ferner durch große Trennungsangst, Gefühle von Hilflosigkeit und Inkompetenz, durch eine Neigung, sich den Wünschen älterer und anderer unterzuordnen sowie durch ein Versagen gegenüber den Anforderungen des täglichen Lebens gekennzeichnet. Die Kraftlosigkeit kann sich im intellektuellen emotionalen Bereich zeigen; bei Schwierigkeiten besteht die Tendenz, die Verantwortung anderen zuzuschieben.
Informationen
http://de.wikipedia.org/wiki/Abhängige_ Persönlichkeitsstörung
http://www.forum-f60.de/public_html/6.Symposium/download/Persoenlichkeitsstoerung.pdf
http://www.borderlinezone.org/kompstoerung/dependente_stoerung.htm


Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Diagnosekriterien (DSM IV)
Ein tief greifendes Muster von Großartigkeit (in Phantasie oder Verhalten), Bedürfnis nach Bewunderung und Mangel an Empathie. Der Beginn liegt im frühen Erwachsenenalter und zeigt sich in verschiedenen Situationen. Mindestens fünf der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:

1. hat ein grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit (übertreibt etwa die eigenen Leistungen und Talente; erwartet, ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden),
2. ist stark eingenommen von Phantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz, Schönheit oder idealer Liebe,
3. glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen Personen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder nur mit diesen verkehren zu können,
4. verlangt nach übermäßiger Bewunderung,
5. legt ein Anspruchsdenken an den Tag, d.h. übertriebene Erwartungen an eine besonders bevorzugte Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen,
6. ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch, d.h. zieht Nutzen aus Anderen, um eigene Ziele zu erreichen,
7. zeigt einen Mangel an Empathie: ist nicht fähig, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer zu erkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren,
8. ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn/sie,
9. zeigt arrogante, überhebliche Verhaltensweisen oder Handlungen.

Informationen
http://de.wikipedia.org/wiki/Persönlichkeitstörung#Narzisstische_Pers.C3.B6nlichkeitsst.C3.B6rung
http://www.dr-gumpert.de/html/narzissmus.html
http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/faust1_narzissmus.pdf
http://www.narzissmus.net/ (Kommentar von Sihaya: ein Infoportal über die NPS, für Betroffene und Angehörige, mit Forum - eine wirklich sehr interessante Seite, mit vielen guten Links, und auch Artikeln)

Anmerkung (Sihaya)
Mich ärgert es übrigens manchmal, wenn "narzisstisch" so als "Schimpfwort" benützt wird - oder als Synonym für "ganz fiese missbrauchende Menschen".
Nicht alle Narzissten sind Täter, und nicht alle Täter sind Narzissten.
Genauso wenig, wie alle, die Borderline, oder ne histrionische PS oder eine Depression oder sonstige "psychische Störungen" diagnostiziert bekommen haben, deswegen automatisch (Gefühls)täter werden.
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