Stifmütterliches behandeltes Thema

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Stifmütterliches behandeltes Thema

Beitrag von dan812 am 06.08.10 12:09

Hallo Sihaya

Schon seit Jahren biete ich Kurse zum Thema emotionaler Missbrauch an (jetzt auch online).
Gerade habe ich wieder mal geschaut, ob es ein Forum zu diesem Thema gibt, weil eine meiner Kursteilnehmerin eine Anschlusslösung braucht. In den letzten 8 Wochen habe ich sie begleitet. Ganz glücklich bin ich, dass ich hier fündig geworden bin.

Ich bin völlig einig mit Dir und vielen anderen auf dieser Plattform, dass das Thema Emotionaler Missbrauch als viel zu unwichtig angesehen wird. Gerade habe ich bei Heinz-Peter Röhr gelesen, dass in vielen therapeutischen Gesprächen an vielen Symptomen gearbeitet wird ohne dass das Herzstück der Geschichte wirklich verstanden wird. Im Prinzip ist das so, wie wenn man eine Wunde ständig desinfiziert, statt dass man den Stachel rauszieht).
Aufmerksam möchte ich Euch auf Folgendes machen: Obwohl ich ein psychologisches Studium absolviert habe, hörte ich in den Vorlesungen NIE etwas über emotionalen Missbrauch (man stelle sich das mal vor - der durchschnittliche Psychologe hat also keine Ahnung worum es geht!). Da ich selbst massiv von emotionalem Missbrauch betroffen war in meiner Kindheit, suchte ich so lange nach des Pudels Kern bis ich ihn im Thema "emotionaler Missbrauch" fand. Als Profi hatte ich da natürlich den Vorteil, dass ich zu vielen Dingen Zugang hatte, die mir als Otto-Normalverbraucher nicht zugänglich gewesen wären.

Ich bitte Euch auf dieser Plattform deshalb
a) um Nachsicht mit meinen Berufskollegen. Sie geben oft ihr Bestes und leiden selbst unter dem mangelndem Know-How
b) um den Mut eine Beratung/Therapie abzubrechen, wenn ihr merkt Euer Gegenüber hat kein Verständnis für das Thema. Ich erlebe es all zu oft, dass Betroffene an sich selbst zweifeln und über Jahre Geld in Therapien stecken, in denen sie sich nicht wirklich verstanden fühlen.
Das ist dann oft die Fortsetzung des Missbrauchs im Beratungszimmer: die Betroffene zweifelt an ihren Gefühlen der Unzufriedenheit und der/die Beraterin behauptet etwas besseres gebe es eh nicht. Oft habe ich es erlebt, dass BeraterInnen ihre Klientinnen geradezu unter Druck setzten, wenn diese sagten, sie würden das Thema emotionaler Missbrauch gern mit mir besprechen. Da kamen Ansagen wie: "Sie müssen sich schon entscheiden wo sie hin wollen, sie behindern so den Beratungsprozess". Ich würde mal sagen, da schläg der emotionale Missbrauch dann gleich nochmal zu - von Freiheit keine Spur und alles schön getarnt unter dem Deckmantel der Professionalität.
Da wäre mir ein gutes Buch zum Thema (z.B. Heinz-Peter Röhr "Wege aus der Abhängigkeit" oder Susan Forward "Vergiftete Kindheit") dann doch lieber, als mit einem Berater ständig um den heissen Brei zu kreisen.

Nun, das war mein Statement. Jetzt möchte ich Dich Sihaya noch fragen, ob es Dir recht ist, wenn ich Deinen Link auf meiner Website (www.lebenskompetenz.ch) platziere.
Ich freue mich natürlich auch, wenn Du Dich mit mir verlinken willst - zwei Online-Kurse könnten für Deine Forumsmitglieder ganz interessant sein (Schreiben statt Therapie; Emotionaler Missbrauch). Schau Dich auf meiner Website einfach mal um. Über den "Kontakt" erreichst Du mich um mir zu antworten.

Viel Erfolg und Freude mit Deinem Forum!

Gruss Daniela

dan812
Gast


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Re: Stifmütterliches behandeltes Thema

Beitrag von anschi am 06.08.10 12:23

Hallo liebe Daniela *lächeln*

Denke, dass dieses Forum eine sehr schöne Anschlussmöglichkeit bietet. Natürlich bist auch du hier willkommen, sogar mit deinem Psychologiestudium, das ist ja auch immer interessant hier *lächeln*

Denke auch, dass sich Sihaya über das Linkangebot freuen wird.
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anschi

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Re: Stifmütterliches behandeltes Thema

Beitrag von Chani am 14.08.10 11:21

hi daniela!

es tut mir leid, dass ich so spät antworte, dein beitrag war mir irgendwie nach hinten geruscht *traurig*

Obwohl ich ein psychologisches Studium absolviert habe, hörte ich in den Vorlesungen NIE etwas über emotionalen Missbrauch
das hab ich auch schon gehört,
sowie ja auch pflegeeltern in den infoveranstaltungen teilw. wohl nur über sexuelle und körperliche gewalt informiert werden und nicht über emotionale, obwohl diese zu verstehen wohl auch sehr wichtig wäre.

werden auch dinge wie gewalt in der kommunikation, ausnutzen von abhängigkeiten, rollenverteilungen innerhalb der familie, also ich nenns mal manche mechanismen, wie emotionaler missbrauch funktionieren kann gelehrt, nur eben nicht unter diesem namen? oder bleibt das ganz aussen vor?

Oft habe ich es erlebt, dass BeraterInnen ihre Klientinnen geradezu unter Druck setzten, wenn diese sagten, sie würden das Thema emotionaler Missbrauch gern mit mir besprechen. Da kamen Ansagen wie: "Sie müssen sich schon entscheiden wo sie hin wollen, sie behindern so den Beratungsprozess".
das versteh ich jetzt nicht den zusammenhang, wie die das meinen.
also wenn die klienten das thema emotionaler missbrauch in therapie besprechen wollen, oder emotionaler missbrauch in der kindheit?
bei ersterem ist wohl klar, dass gleich mal abgeblockt wird.
beim thema kindheit oder vergangenheit...manche meinen ja, dass sich mit der kindheit beschäftigen allgemein dann den prozess behindert, weil hier+jetzt wichtiger ist, denke ich. manchen klienten liegt das so auch mehr und sie suchen das, blöd nur, wenn man etwas anderes sucht, als dann angeboten wird. *keine ahnung*
da finde ich dann deinen hinweis, dass man sorgfältig wählen sollte, und sich auch trauen abzubrechen wichtig.
schwierig ist da halt, dass es teilweise so lange wartezeiten gibt und manche froh sind "überhaupt jemanden" zu finden.... *traurig*

oder geht es dann schon konkret um dieses suchen im emotionalen, obwohl andere gründe vorliegen dürften?
der klassiker hier ist ja auch, dass man mit ptbs-(ähnlichen)-symptomen zum therapeuten kommt, und niemand versteht nur wieso und woher, und dann wird nach verdrängtem sexuellen missbrauch gesucht.
(kennen jetzt einige, die mit den folgen von emo mb zu kämpfen hatten).
da könnte die entdeckung des emotionalen mbs wie "sie versuchen die augen vor dem sexuellen mb, der sicherlich stattgefunden hat, woher hätten sie sonst diese symptome, zu verschließen, das ist nicht gut, bleiben sie da weg, das lenkt nur ab, ist nen abwehrmechanismus" bewertet werden - also auch als behinderung des heilungsprozesses?

was ich mir auch vorstellen könnte, wenn man sich nicht gut auskennt, dass emotionaler missbrauch = "ja nicht so schlimm", also wer sagt, er wurde emotional missbraucht versucht nur die schuld auf andere zu schieben, stellt sich seiner verantwortung nicht, bleibt an unwichtigem hängen, nachtragend, und somit behindere das auch den heilungsprozess.

ich freue mich auch, dass du unser kleines forum gut findest.
ich mag hier nur noch mal sagen, dass wir hier ein haufen betroffener sind, die sich das gemeinsam aufgebaut haben;
und nur in so fern profis sind, dass manche viel nachlesen und sich viel mit dem thema beschäftigen, und somit irgendwann zu ihren eigenen profis werden;
wenn du jemanden hier her verweist wg. anschlusslösung ist das wichtig zu wissen, dass wir hier keine therapeuten, keine berater haben, und auch sonst nicht professionell begleitet werden,
und das auch gar nicht die intention ist.
austausch unter betroffenen gibt es hier dafür, und ich für meinen teil habe hier schon viel gelernt. *lächeln*

du hast dich seit noch nicht so langem da selbstständig gemacht, wenn ich es richtig verstanden habe, ne?
wünsche dir viel erfolg auch mit deinem projekt, menschen die ihren schwerpunkt auf emotionalen missbrauch legen sind leider selten.
ich verlinke gerne zurück, was ich gelesen habe fand ich ganz ok/vielversprechend *lächeln*
du hast wenn ich es richtig lese zwar keine kassenzulassung und die leute zahlen dann selbst, was für manche natürlich nen problem ist; aber wer es sich leisten kann/will, wird wohl den vorteil haben, dass die wartezeiten nicht so lang sind, und ihr bzw. du auch wirklich persönliches interesse am thema emotionaler missbraucht hast, was selten und daher auch wertvoll ist.
sicherlich werden sich manche mal umschauen.

lg sihaya

Chani
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wenig bekannt

Beitrag von Lisa am 08.12.10 20:43

Hallo,

ich kann das bestätigen. Emotionaler Missbrauch ist wenig bis gar nicht bekannt. Ich bin selbst betroffen und habe immer wieder Therapeuten gesucht, die mir helfen sollten - Depressionen waren die Spätfolge meines in der Kindheit erlebten Emotionalen Missbrauches - es wurde aber nur an Symptomen rumgedoktort. Das Thema "Missbrauch" war nur als sexueller oder körperlicher Missbrauch bekannt - die Basis, die Emotion, kannte keiner. Dementsprechend haben meine Therapieversuche auch nie lange gedauert.
Mein letzter - mit einer mich regelrecht auf Veränderung drängenden - Verhaltenstherapeutin, die mein GEfühl, missbraucht worden zu sein, noch nicht ein mal anerkannte, dauerte immerhin circa 15 Stunden. So lange durchgehalten habe ich diese Therapie, weil es auch hier ellenlange Wartelisten gibt. Die Angst hat mich also blockiert. Schließlich habe ich es dann doch geschafft, das abzubrechen.
Habe jetzt jemanden Neues gefunden. Dort ist zwar eMB nicht bekannt als Begrifflichkeit, aber die Atmosphäre ist gekennzeichnet von vorsichtiger Achtsamkeit und ich mitsamt meiner Gefühle - egal welche - stehe im Mittelpunkt der Therapie.
So sollte es eigentlich sein. Nur, leider ist das sehr schwer, wenn Therapeuten/Psychologen mit der Thematik "Emotionaler Missbrauch" nichts anfangen können.

viele Grüße, ein Gast

Lisa
Gast


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Re: Stifmütterliches behandeltes Thema

Beitrag von Morfie am 08.12.10 21:12

Hallo,

der Begriff "Emotionaler Missbrauch" ist mir auch erst seit kurzem bekannt. Früher dachte ich immer, das es wohl an mir liegen musste, das mich meine Eltern so behandelt haben. Wahrscheinlich, wie es fast jedem ergeht.

Später suchte ich mir dann Hilfe in Therapien. Ich war geplagt von Depressionen, keinem Selbstwertgefühl, Alpträumen. Immer wieder habe ich in den Therapien gespürt, das wir nie zum Kern meiner Probleme vordringen, sondern nur in der Gegenwart rumstochern. Ich habe oft versucht, das Thema Kindheit anzusprechen, aber ständig hatte ich das Gefühl, das auf dieses Thema nie eingegangen wird, als wäre es ein rotes Tuch für die Therapeuten.

Das Ganze gipfelte dann in einem zweiwöchigen Psychiatrieaufenthalt, weil ich irgendwann zusammen gebrochen bin und nichts mehr ging. In der Klinik wurde ich auf Überforderung durch meine Familie behandelt (wir haben vier Kinder). Es wurde davon ausgegangen, das ich einfach zuviel um die Ohren hatte, mit Haushalt, Arbeit und den Kindern. Als ich zaghaft darauf anspielte, das die Probleme meines Zusammenbruchs viel, viel früher, in meiner Kindheit, zu suchen wären, wurde auch das abgetan und nur meine Gegenwart untersucht.

Ich habe mir geschworen, das ich nie, nie wieder in einer psychiatrischen Klinik landen werde, habe mit meiner Familie (Mann und Kinder) allem den Rücken gekehrt und durch den räumlichen Abstand kommt mehr und mehr zutage.

Es ist teilweise sehr schmerzhaft und nimmt mir so manches Mal die Luft zum atmen, aber ich weiß, das mein Weg der Heilung begonnen hat, auch wenn er sehr schmerzhaft ist.

Das Buch "Vergiftete Kindheit" habe ich übrigens auch gelesen und fand es sehr, sehr interessant.

LG, Kirsten
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Morfie


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Re: Stifmütterliches behandeltes Thema

Beitrag von Lys am 14.01.11 20:09

Was ich dabei nicht verstehe ist, dass sogar die Fachzunft die Beschäftigung mit der Kindheit verweigert? Ich dachte, die Psychoanalyse, -therapie etc. beruhe gerade darauf, die Ursache für Schwierigkeiten der Gegenwart in der Kindheit und in der Eltern-Kind-Beziehung zu suchen??! Oder bin ich da total irregeleitet? Ich muss zugeben, dass ich wenig Ahnung habe, allerdings mit einem Therapieversuch (da ging's um was anderes - denk ich jedenfalls, aber wer weiß das schon so genau, ich vielleicht nicht) auch nicht sehr glücklich geworden bin, im Gegenteil.

Lys

Lys

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Re: Stifmütterliches behandeltes Thema

Beitrag von Chani am 14.01.11 20:58

Hi,
also ich mach auch analytisch/tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, bei ner Therapeutin die auch eher von diesem tiefenpsycho Kindheit anschauen etc überzeugt ist
(Verhaltenstherapeuten haben ja oft noch mal nen anderen Bezug, also viele) -
und auch wir suchen die Ursache für Schwierigkeiten in de Gegenwart auch in der Gegenwart.
Die Vergangenheit aber schauen wir uns an, um die Muster zu verstehen, die ich heute habe und die heute zu meinen Schwierigkeiten führen.
z.B. nur als hoffentlich anschauliches Beispiel wenn man erkennt, dass man sich sein Leben lang hässlich und fett fühlte, nicht weil man es tatsächlich ist, und auch nicht allein (sehr schwammig) "wegen schlechten Selbstwertgefühl" (zwar wahr aber extrem allgemein), sondern weil es einem auch konkret von der Mutter von klein an anerzogen und eingebleut wurde, dann lernt man etwas über sich - und kann sich in Zukunft leichter von dem Gedanken "ich bin hässlich, das ist Fakt" leichter distanzieren, kennt man doch den Ursprung dieses Gedankens, kann ihn als "Falschaussage" einer bestimmten Person identifizieren, kann nachvollziehen, warum man das jetzt denkt, aber dass es dennoch falsch ist.
Wenn man dann noch paar Theorien für sich hat, z.B. manche Frauen machen das, weil sie Töchter als Konkurrenz sehen, aus Neid, aus eigenen alten Geschichten, vll begehrte der Vater einen mehr als sie - bla bla - whatever - kann man das auch besser einordnen, wobei man sich da immer bewusst sein muss, dass es nur Theorien sind.
Das ist hilfreich um zu lernen eben nicht mehr sich so zu verhalten, sich zu verhalten, kleiden, bewegen, ernähren wie ein Mensch der "eh hässlich und fett" ist usw, seine eigenen Überzeugungen hinterfragen.
Insofern macht es dann Sinn.
Aber die Ursache ist ja immer noch in der Gegenwart.... die Ursache ist ja, dass man bestimmte Denkmuster hat und aufrechtferhält.
Die Vergangenheit und die Eltern kann man ja auch nicht therapieren, sondern man kann nur seine eigenen Muster, auch in der Gegenwart, ändern.
Somit würd ich schon zustimmen, dass sogar die Fachzunft die Ursachen und Lösungen für heutige Probleme im heute sucht und nicht in der Kindheit, was ich auch richtig finde.
Beschäftigung mit Kindheit verweigern find ich nicht sinnvoll, da ja dort auch viele Infos stecken, die einem was beibringen können.
Ich könnte mir vorstellen viele Fachleute haben zu große Angst vor dem "Meine Eltern sind Schuld! Ich bin also ein Opfer! Also kann sich mein Zustand nie mehr ändern, weil die es verbockt haben!" Denken bei Klienten, aber ich denke, wenn man das richtig rüberbringt, bringt man das ja auch nicht falsch bei, sondern "Es geht darum zu verstehen, wie Muster so entstanden sind, also wie man so funktioniert, Verantwortung was zu ändern liegt immer immer bei einem selbst und im heute" - dann passiert das so auch nicht. Zumal manche Leute denken ja eh auch ganz ohne Einfluss von Therapeuten so haben - "die sind Schuld, ich kann nix ändern". Und ich denke ein Vorurteil, das auch eben Fachleute haben ist, dass dieses tiefenpsychologische darin bestehen Elten für alles was einem Menschen passiert die Schuld zuzuschieben und erwachsene Menschen von ihrer Verantwortung für ihr Leben zu befreien - darum gehts ja nun wirklich nicht, und ich finds auch immer befremdlich wenn Leute dann drüber spotten "jaja Mütter sind immer Schuld", weil ich mir denk.... nee, das machen wir doch gar nicht - da haste was falsch verstanden, was Ziel und Inhalt der Therapie angeht.

Chani
Ehemals: Sihaya

Weiblich

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Kindheit aufarbeiten - Weigerung vieler Therapeuten

Beitrag von birke46 am 06.07.11 20:45

Grüß dich Chani,

meine Therapie war auch die tiefenpsycholog. fundierte Gesprächstherapie. Ja, meine Ärztin blieb weitgehend im Hier und Heute, aber nahm durchaus auch meine Kindheit mit auf. Ich fand diese Therapieart für mich die beste, die es geben konnte.

Finde deinen Beitrag sehr reflektiert. Es geht ja eben nicht darum, einfach den Eltern irgendeine "Schuld" zuzuweisen und sich selbst aus der Verantwortung zu stehlen. Aber es ist doch um ein Wesentliches leichter an sich etwas zu verändern / zu arbeiten, wenn man weiß, ja dieses/jenes Verhalten habe ich aus dieser oder jener Kindheitsprogrammierung. Wenn man sich immer wieder nur selbst niedermacht und sich für alles selbst die "Schuld" gibt, dann erlahmt irgendwann auch die Kraft, an sich zu arbeiten. Ma trägt da nämlich zu dem Lastberg des Hier und Heute noch zusätzlich einen unbearbeiteten Kindheitsberg.
Es hilft eben schon ein ganzes Stück, wenn ich weiß, dass ich nicht "das böse Kind" war. Das hat jetzt nichts mit "Schuldzuweisungen" an die Mütter zu tun - aber mit einer Schuld-Entlastung von uns im Heute. Damit werden auch Kräfte frei, die wir ansonsten immer wieder völlig unnötig in die Kindheitsintrojekte investieren müssen (aus dir wird nie was werden - du bist ... der letzte Dreck usw. usw. usw.)

Doch, ich denke schon, dass es auch eine Schuld von Eltern geben kann - wo der Missbrauch, auch der emotionale gravierend war. (Ich meine jetzt nicht einfach Erziehungsfehler, wie wir sie alle machen. Ich meine seelenmörderischen emotionalen Missbrauch. Allerdings können wir nie wirklich wissen, was unsere Eltern / Erziehungsberechtigte zu solch seelischen Krüppeln gemacht hat, dass sie ihre eigenen Störungen schonungslos an uns weitergaben. Ob sie nur keine Hilfe fanden, oder sie nicht suchten, oder selbst niemals erkannten, dass sie selbst schon seelisch verkrüppelte Kinder waren. Übrigens bleiben die seelischen Schäden nach einem Weltkrieg auch nicht in der unmittelbaren Generation hängen, sondern werden weitergegeben. Das meinte ich mit der "Generationen-Kette" durchbrechen (in meiner Vorstellung) - das ist das Einzige, was wir im Hier und Heute können, damit sorgen wir für uns selbst und, soweit wir dies vermögen, für unsere Kinder - und das ist - sehr sehr viel!!!

Ich denke, es ist wichtiger zu sehen: wo liegt die Ursache für unsere eigenen Störungen. Und wie können wir ansetzen, diese zumindest zu mildern. Je älter ich werde, umso vorsichtiger gehe ich mit dem Wort "Schuld" um - dies gilt aber gefälligst auch für mich! *lächel* *augenroll*

Liebe Grüße - Alexandra

birke46

Weiblich

http://www.aus-truemmern.de

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Re: Stifmütterliches behandeltes Thema

Beitrag von Kalimera am 05.01.13 15:46

Danke für das Thema.

Nachdem ich mir früher auch von Therapeuten Sachen anhörte wie "so schlimm ist es doch gar nicht" oder "sie hat das bestimmt nicht bös gemeint" usw. und ich mir weiter die Schuld an allem gab,

fand ich glücklicherweise endlich Berater, die mir meine Wahrnehmung ließen. Ab da war ich dann auch so forsch und fragte beim Erstgespräch, ob sie reinen Tisch mit ihrer eigenen Kindheit/alte Gefühle gemacht haben. Bei meinen vorigen Therapeuten hatte ich nämlich die Ahnung, dass das Thema darum ein rotes Tuch für sie ist, weil sie es selbst verdrängt hatten. Das las ich dann auch in Alice Millers Büchern bestätigt, was mich erleichterte.

Ich komme meiner wahren Identität immer näher, je mehr ich mich der Wahrheit, meinem Bauchgefühl, öffne und aufhöre sie/es zu leugnen.

Kalimera


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